Die Sache mit der Individualität

Was läuft da falsch in unserer Gesellschaft?

Sehen wir uns unsere Gesellschaft einmal genauer an, die Jugend von heute möchte möglichst individuell sein und hip natürlich. Auf Facebook darf ich täglich lesen, wie sich untereinander angefeindet wird. Auch ich war früher der Meinung das eine "Ich sche*ß auf alles und jeden"- Einstellung mich besonders beliebt und begehrenswert macht. Hat es auch. Ich war mega beliebt! Wir haben uns damals alle besonders gefühlskalt und gewissenlos gegeben und innerlich nach Anerkennung geschrien. Wir haben uns Piercings stechen lassen und wenn drei andere plötzlich den gleichen hatten war das uncool und wir haben ihn raus genommen um an anderer Stelle einen neuen zu stechen. Wir hatten damals rote Hosen an, wenn man der erste damit war, war man der tollste und sobald es drei andere mit roten Hosen gab, ging das natürlich gar nicht und man zog eine blaue an. Rauchen war cool, Schule schwänzen auch. Heute gibt es Hipster und man weiß eigentlich gar nicht genau, ob die jetzt in sind oder nicht. Volltätowiert- das ist natürlich mega! Hornbrille- ja auch ganz gut. Röhrenjeans- wirklich geil! Aber nee Hipster mögen wir nicht die sehen alle gleich aus. Wenn ich mir die Jugend von heute ansehe würden meiner Meinung nach 75% als Hipster durchgehen, aber alles schreit "Fu*k Hipster, ihr seid alle gleich!" Warum rennen wir alle in eine Richtung und machen alle das gleiche, aber stellen uns selbst als möglichst individuell dar? Anerkennung ist das Stichwort.

Ich habe mittlerweile gelernt, dass alle Anerkennung der Welt nichts bringt, wenn man etwas macht, das nicht mehr in den Rahmen passt. Widersprüchlich nicht? Tja, was passierte? Ich wurde schwanger und ich war ZUFRIEDEN damit. Ich wurde plötzlich gefühlsduselig und natürlich ist das, das letzte was der coole möglichst individuelle, aber trotzdem gleiche Freundeskreis cool findet. Ja ich weiß, das Wort cool ist ziemlich uncool, aber ich bin leider nicht auf dem neusten Stand, was den Wortgebrauch, der genehmigt wird betrifft. Mit der Schwangerschaft, haben sich viele abgewandt, es gibt ein paar wenige mit denen ich heute noch in Kontakt stehe. Plötzlich steht man als vorher gefühlskaltes, unabhängiges, Mädchen vor dem Wunder der Geburt und man frägt sich. "Mache ich alles richtig?", "Wie wird das mit einem Kind sein?" Und dann ist es da und man hat noch nie etwas so sehr geliebt wie dieses kleine Menschlein. Und plötzlich fängt man an sich Gedanken zu machen und Dinge in Frage zu stellen.

"Wie mache ich möglichst alles richtig?" Es gibt mehrere Wege alles richtig machen zu wollen. Will man alles richtig machen, damit man als Mutter gut da steht, oder will man alles richtig machen, indem man die Bedürfnisse seines Kindes achtet? Ich habe mich für letzteres entschieden und somit wahrscheinlich den größten Teil meiner Anerkennung verloren. Tragetuch, Familienbett, Langzeitstillen und Hausgeburten sind etwas, dass nicht in die Norm passt. Da wo alles nach Individualität schreit, wird man plötzlich zum Außenseiter, wenn man Dinge anders macht, als es die Gesellschaft vorgibt. Ohne zu hinterfragen, werden die allgemein anerkannten Erziehungsmaßnahmen angenommen. Das Kind muss möglichst früh im eigenen Bett schlafen, damit es selbstständig wird. Das Kind wird höchstens 6 Monate gestillt, damit es selbstständig wird. Schreien muss man es auch mal lassen, damit es nicht verzogen wird und seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Selbstständigkeit erlangen indem man dazu gezwungen wird. Ich glaube, und das ist meine ganz persönliche Meinung, nicht an diesen Schwachsinn, eigentlich sollte einem der gesunde Menschenverstand sagen, dass ein 3 Monate altes Kind nicht weiß, dass die Mutter es gerade selbstständig machen möchte. Ein 7 Monate altes Kind, wird sicher nicht alles tun um die Eltern zu manipulieren. Wir sind ständig am mosern, "Mir ist kalt, ich hab Hunger, ich muss Pipi, nein ich habe keine Lust das zu machen, mache ich später!" Aber ein wenige Monate altes Kind hat zu gehorchen und muss möglichst in eine Norm passen und untergeordnet sein, es darf seine Bedürfnisse nicht äußern, denn wenn man diese erfüllt merkt das Kind sich das und du ziehst dir einen kleinen Tyrannen groß.

Man kann seinen Babies nicht bei bringen einen nicht zu brauchen, die Bedürfnisse eines Babies sind echt und wichtig! Auch das Bedürfnis nach Nähe ist ganz normal und ein Baby möchte dich nicht manipulieren. Ein "erzogenes" Baby gibt vielleicht Ruhe, aber Bedürfnisse hat es immer noch, es hat nur aufgegeben daran zu glauben, dass diese erfüllt werden. Es hat aufgegeben darauf zu vertrauen, dass es in den Arm genommen wird, wenn es sich einsam fühlt oder Angst hat. Wir fordern unsere Bedürfnisse auch ein, warum darf unser Baby das nicht? Die ganz einfache Antwort lautet: "Weil es uns die Gesellschaft so vorgibt." Wo sind die individuellen Freunde von mir geblieben, die nichts auf die Gesellschaft geben? Komischerweise wird man verurteilt, für seine Andersartigkeit, obwohl alle nach Andersartigkeit schreien. Es gibt ein sehr treffendes Zitat:

"Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit,
gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein."

Und es würde gut tun, wenn sich so mancher mal Gedanken darüber machen würde.